Gedanken & Inspiriation zum Yoga
Yogadschungel und ist Yoga ein Sport?

Warum Yogastunden so unterschiedlich sind – und welcher Yogastil zu Dir passt
Vielleicht kennst Du das:
Du besuchst Deine erste Yogastunde und fühlst Dich danach wunderbar entspannt. Eine Woche später probierst Du einen anderen Kurs aus und kommst völlig verschwitzt von der Matte. In der nächsten Stunde liegst Du gefühlt die halbe Zeit ganz ruhig in einer Haltung und fragst Dich irgendwann: Ist das alles Yoga und warum ist das so unterschiedlich?
Genau diese Frage stellen sich viele Menschen, die neu mit Yoga beginnen. Und ehrlich gesagt kann ich das gut verstehen. Ich weiß noch gut, wie überrascht ich selbst am Anfang war. Je nachdem, welchen Kurs ich besucht habe, fühlte ich mich völlig unterschiedlich. Mal voller Energie, mal angenehm entspannt. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass das nicht an der Lehrerin oder dem Lehrer liegt, sondern daran, dass hinter den verschiedenen Yogastilen ganz unterschiedliche Ansätze stehen.
Vielleicht fragst Du Dich, welcher Yogastil der Richtige für Dich ist. Die gute Nachricht ist: Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort. Denn Yoga ist keine Schablone. Jeder Mensch bringt andere Bedürfnisse, Erfahrungen und Ziele mit.
Die Vielfalt der Yogastile
Im Laufe der Zeit haben sich aus dem traditionellen Yoga zahlreiche moderne Stilrichtungen entwickelt. Dazu gehören unter anderem:
- Vinyasa Yoga
- Jivamukti Yoga
- Ashtanga Yoga
- Power Yoga
- Anusara Yoga
- Yin Yoga
- Somatisches Yoga
- und viele weitere.
Im Grunde lassen sich die verschiedenen Yogastile jedoch zwei großen Strömungen zuordnen.
Flow Yoga – dynamisch und kraftvoll
Zur ersten Gruppe gehören die fließenden Yogastile, häufig auch Flow Yoga genannt. Hier werden die einzelnen Körperhaltungen – die Asanas – harmonisch miteinander verbunden. Die Bewegungen folgen dem Atem und gehen fließend ineinander über. Zu diesen Richtungen gehören beispielsweise Vinyasa Yoga, Jivamukti Yoga und Power Yoga.
Flow Yoga fühlt sich oft an wie ein Tanz aus Bewegung und Atmung. Der Körper kommt in Bewegung, die Muskeln arbeiten und nicht selten beginnt man ordentlich zu schwitzen. Viele erleben dabei einen Zustand, in dem sie ganz im Moment ankommen, weil Bewegung und Atem miteinander verschmelzen.
Gerade für Anfänger können diese Stunden manchmal jedoch eine Herausforderung sein. Die Haltungen wechseln recht schnell, sodass eine gute Basis besonders wichtig ist. Denn bevor Geschwindigkeit entsteht, sollte zunächst eine saubere Ausrichtung der Yogaübungen erlernt werden.
Power Yoga gehört zu den intensivsten dieser Stilrichtungen. Hier steht die körperliche Praxis klar im Vordergrund, während bewusst auf spirituelle Inhalte verzichtet wird. Insgesamt zählen diese dynamischen Yogastile eher zu den modernen Entwicklungen des Yoga.
Hatha Yoga – ruhig, bewusst und präzise
Die zweite große Strömung umfasst die haltenden Yogastile. Im heutigen Sprachgebrauch werden sie meist unter dem Begriff Hatha Yoga zusammengefasst.
Hier bleibt man deutlich länger in den einzelnen Körperhaltungen. Dadurch entsteht Zeit, den Körper bewusst wahrzunehmen, die Ausrichtung zu verfeinern und den Atem fließen zu lassen.
Zu diesen Stilen gehören beispielsweise Anusara Yoga oder auch Ashtanga Yoga. Beide legen großen Wert auf eine präzise Technik und ein gutes Körperbewusstsein. Ashtanga Yoga ist dabei körperlich sehr anspruchsvoll und verlangt Kraft, Beweglichkeit und Disziplin.
Auch traditionelle Richtungen wie das Sivananda Yoga gehören eher zu den ruhigeren Yogastilen. Viele Schulen bieten hier spezielle Anfängerkurse an, die einen sanften Einstieg ermöglichen.
An dieser Stelle möchte ich noch eine kleine Anmerkung machen:
In den klassischen Yogaschriften beschreibt Ashtanga eigentlich den achtgliedrigen Yogaweg nach Patanjali. Dieser umfasst weit mehr als die körperlichen Übungen und bildet die philosophische Grundlage des Yoga. Das heute bekannte Ashtanga Yoga ist eine moderne Übungsform, die sich an diesem Namen orientiert.
Yin Yoga und Somatisches Yoga
Zu den ruhigeren Yogastilen gehört das Yin Yoga. Hier werden die einzelnen Positionen mehrere Minuten lang gehalten. Ziel ist es nicht, mit Kraft zu arbeiten, sondern den Körper langsam loszulassen. Dabei werden vor allem Faszien und tieferliegendes Bindegewebe sanft gedehnt.
Hilfsmittel wie Blöcke, Kissen oder Decken unterstützen den Körper dabei die Positionen auch dann länger halten zu können, wenn die Beweglichkeit noch nicht so groß ist. Ziel ist es durch die zum Teil starke Dehnung die Verklebung der Fazien aufzulösen und innen liegende Emotionen zu befreien. Dies kann emotional sehr herausfordernd sein, denn wenn wir länger in einer Haltung bleiben, begegnen wir oft auch uns selbst.
Ein noch vergleichsweise junger Ansatz ist das somatische Yoga. Hier werden traditionelle Yogatechniken mit somatischen Bewegungsprinzipien verbunden, mit dem Ziel Blockaden, Verspannungen und psychosomatische Symptome zu lösen. Es handelt sich ebenfalls um einen sehr ruhigen Yogastil, manchmal ähnlich dem Yin-Yoga.
Restorative Yoga
Ebenfalls zu den ruhigen Yogastilen gehört das Restorative Yoga. Auf den ersten Blick erinnert es zwar an Yin Yoga, verfolgt jedoch einen etwas anderen Ansatz. Während im Yin Yoga in den Haltungen eine Dehung erzielt wird, geht es im Restorativen Yoga darum, den Körper vollständig zu unterstützen, so dass keinerlei Dehung oder Anspannung geschieht. Mithilfe vieler Hilfsmittel wie Bolstern, Kissen, Decken oder Blöcken wird der Körper so gelagert, dass er sich vollkommen entspannen kann.
Die einzelnen Positionen werden oft noch deutlich länger gehalten als im Yin Yoga. Dadurch entsteht keine aktive Dehnung, sondern vielmehr ein Gefühl des vollständigen Getragenseins. Der Körper darf loslassen, ohne etwas leisten zu müssen.
Gerade in unserer oft hektischen und leistungsorientierten Welt kann diese Form des Yoga eine wohltuende Erfahrung sein. Viele Menschen empfinden Restoratives Yoga als eine tiefe Regeneration - nicht nur für den Körper, sondern auch für das Nervensystem. Manchmal fühlt es sich an, als dürfte der gesamte Organismus endlich einmal wirklich zur Ruhe kommen.
Hatha Yoga oder Flow Yoga?
Vielleicht hast Du schon einmal gelesen, dass eine Yogastunde als Flow Yoga oder Hatha Yoga ausgeschrieben ist.
Streng genommen ist diese Unterscheidung gar nicht ganz korrekt.
Schaut man in die traditionellen Yogaschriften, gehören alle körperlichen Yogapraktiken zum Hatha Yoga.
Im heutigen Sprachgebrauch haben sich die beiden Begriffe jedoch etabliert. Flow Yoga steht meist für dynamische Stunden mit fließenden Bewegungen, Hatha Yoga eher für ruhigere Stunden mit länger gehaltenen Asanas.
Darf Yoga eigentlich anstrengend sein?
Diese Frage begegnet mir immer wieder.
Und ehrlich gesagt hat sie mich selbst während meiner Yogalehrerausbildungen beschäftigt. Dort bin ich auf zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen gestoßen.
Die eine sagt:
Yoga sollte möglichst nicht anstrengend sein. Yoga sollte möglichst nicht anstrengend sein. Unser Alltag ist bereits stressig genug. Zusätzliche Anstrengung würde den Stress eher verstärken als abbauen.
Die andere sagt:
Gerade körperliche Anstrengung hilft dabei, Stress loszulassen. Wenn der Körper gearbeitet hat, fällt es vielen Menschen leichter, auch den Geist zur Ruhe kommen zu lassen.
Anfangs hat mich dieser Widerspruch ziemlich verwirrt.
Ich habe im Laufe der Jahre sowohl sehr sanfte als auch kräftigende Yogastunden unterrichtet. Nach ruhigen Stunden erzählen mir Teilnehmer oft, wie tief sie entspannen konnten. Nach kräftigenden Stunden höre ich häufig: "Ich habe endlich meinen Körper wieder richtig spüren können."
Mir selbst geht es ganz ähnlich. Ich mag kraftvolle Haltungen, weil ich meinen Körper bewusst wahrnehmen möchte. Gleichzeitig möchte ich nach einer Yogastunde aber nicht völlig erschöpft nach Hause gehen. Deshalb sind sehr intensives Power Yoga oder sehr dynamisches Vinyasa Yoga persönlich nicht mein bevorzugter Stil. Für mich liegt der ideale Weg irgendwo dazwischen.
Yoga darf durchaus fordern – aber nicht überfordern. Es sollte Raum lassen für bewusste Atmung, Entspannung und Achtsamkeit. Und auch die spirituelle Seite gehört für mich dazu. Ganz ohne sie wäre Yoga für mich nicht vollständig. Denn genau sie macht Yoga für mich zu etwas so Besonderem.
Ist Yoga ein Sport?
Yoga kann den Körper kräftigen, die Beweglichkeit verbessern und die Haltung unterstützen. Aber für mich ist Yoga weit mehr als Sport.
Viele Menschen kommen wegen der Bewegung zum Yoga. Die meisten bleiben wegen des Gefühls, das Yoga ihnen schenkt.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die bewusste Atmung – das sogenannte Pranayama. Mit gezielten Atemübungen können wir unser Nervensystem beruhigen und Stress nachhaltig abbauen. Für mich gehört Pranayama zu den wertvollsten Werkzeugen des Yoga, weil wir diese Techniken jederzeit mit in unseren Alltag nehmen können.
Eine gute Yogastunde kräftigt den Körper, verbessert die Beweglichkeit und bewegt die Wirbelsäule in alle Richtungen. Drehungen und sanfter Druck regen außerdem die inneren Organe an. Mindestens genauso wichtig ist das bewusste Hineinspüren. Durch das regelmäßige Hineinspüren lernen wir mit der Zeit unseren Körper immer besser kennen.
Vielleicht bemerkst Du dann plötzlich, dass Du im Alltag die Schultern hochziehst oder unbewusst die Zähne zusammenbeißt. Wer solche Gewohnheiten erkennt, kann sie Schritt für Schritt verändern.
Und genau darin liegt für mich eine der größten Stärken des Yoga.
Mein Fazit
Für mich ist Yoga kein Wettkampf und auch keine reine Fitnessstunde. Yoga ist eine Einladung, immer wieder bei sich selbst anzukommen.
Mal braucht unser Körper Kraft. Mal braucht er Ruhe. Und manchmal braucht er einfach nur einen bewussten Atemzug.
Deshalb gibt es für mich auch nicht den einen perfekten Yogastil. Es gibt nur den Yogastil, der Dich in Deiner jetzigen Lebensphase unterstützt. Und das darf sich jederzeit verändern.
Hab den Mut, verschiedene Richtungen auszuprobieren. Höre weniger auf Trends und mehr auf Deinen Körper. Er wird Dir ziemlich schnell zeigen, was ihm guttut.
Denn genau darum geht es im Yoga. Nicht darum, perfekt zu praktizieren. Sondern darum, Dir selbst immer wieder ein Stück näherzukommen.
In meinem YouTube Kanal findest Du sowohl ruhige Yogastunden zur Entspannung als auch kräftigende Stunden. Falls Du Restoratives Yoga einmal ausprobieren möchtest findest Du auch solchen Stunden dort für Zuhause.
Vielleicht sehen wir uns ja auch einmal auf der Matte.
Ich würde mich freuen, Dich ein Stück auf Deinem Yogaweg begleiten zu dürfen.

